Erfahrungsbericht, Vita Vision Niroga Resort, männlicher Gast, Alter 39 Jahre
Glauben Sie, daß man mit Kräutern im Körper Schalter umlegen kann? Und zwar kurzfristig? Ich nicht. War aber falsch. Frau Dr. Dinali Nisansala kann das. Abends eine Espressotasse voll Kräuterwasser (schmeckt ziemlich bitter). Man schläft die Nacht noch ohne „Beschwerden/Belästigungen“ - am nächsten Morgen tringt man einen halben oder einen Liter warmes Wasser (stand in der Thermoskanne schon auf dem Zimmer nach dem Abendessen) – dann geht’s los. Die nächste halbe Stunde kommen Sie aus dem Bad nicht raus. Der Darm entleert sich komplett – bis nur noch Wasser „nachspült“. In Gedanken schreibt man den Tag schon ab – und auch gleich den nächsten. Trotzdem gehe ich zum Morgenyoga – ich mag es einfach zu sehr. Auf dem Fluß im See den Vögeln und den Fischern zusehen und dabei die schönen gleichmässigen Bewegungen des Yoga. Nach einer Dusche – selbst beim Yoga hab ich ein T-Shirt verschwitzt – gehe ich zum Frühstück. Ich mache mir immer noch keine Hoffnung, dass ich es „behalten“ kann, aber schau mer mal. Es gibt eine grüne Kräutersuppe mit ein paar Flocken Reis. Sehr wohlschmeckend, harmonisch und wärmend. Danach noch eine Papaya. Ich gehe ruhig zum Zimmer. Nix passiert. Ich gehe ins Bad. Nix passiert. Weg der Spuck: eben einfach eingeschaltet und einfach ausgeschaltet.
Das Spiel wiederholt sich noch 3 x.
Anschliessend muss man sich aber keine Gedanken mehr machen, jetzt stehen nämlich die Anwendungen auf dem Tagesplan. Chamara und Dayan, die beiden männlichen Therapeuten, werden von Dr. Dinali Nisansala eingewiesen. Vorher aber findet, wie jeden Tag, ein ausführliches Arztgespräch statt. Neben dem Blutdruck, dem Gewicht, dem Puls wird auch die Gesamtschau der Person Einfluss in die Therapie und das Arzt-Patient Gespräch nehmen. Das Frau Dr. Dinali 2 Jahre in Deutschland gearbeitet hat, kommt jetzt dem Patienten natürlich zu gute. Sie versteht damit die Erzählungen und Alltagsprobleme deutlich besser einzuordnen. Selbst medizinische Fachbegriffe kann Sie übersetzen. Zwar ist Ihr perfektes Englisch noch besser als das Deutsch, aber uns gelingt die Kommunikation sehr gut. Auch die Therapeuten sprechen ein wenig Englisch. Wobei ich in den ersten paar Tagen gar nicht so viel gesprochen habe. Unter den kräftigen Händen der Therapeuten schweifen die Gedanken schnell weit weg. Der Vormittag ist ausgefüllt. Zuerst ist die Kopfmassage der Einstieg zum Ausstieg. Gut 30 Min. wird getestet, ob die Haare noch fest angewachsen sind und der Nackenverspannung wird auch keine Chance gelassen. So vorbereitet steigt man vom Stuhl auf die Liege um und die Füße sind an der Reihe. Mit geschlossenen Augen, halb hinweggedämmert hört man gar nicht, dass Dayan nach einer halben Stunde hereingekommen ist und Chamara jetzt fuer die vierhändige Abhyanga unterstuetzt. Es ist auch hier selbstverständlich, dass gleichgeschlechtlich behandelt wird – also Frauen von Frauen und Männer von Männern. Die warmen Öle sind wohltuend und entschlacken. Man gewönnt sich nach den ersten Tagen an dieMengen von Öl und den Umgang damit nach dem Vormittag. Nun könnte man annehmen, dass nach 3 Teilen von Massagen Schluss wäre – aber nein. Dr. Dinali kommt mit einem grossen Blechtopf mit Deckel herein. Dieser wird in einen Holzkasten unter der Behandlungsliege gestellt und der Topfdeckelleicht geöffnet. Ich drehe mich um und eine Öffnung in der Liege – dort wo vorher meine Füße waren – gibt Platz für meinen Kopf. Ein Handtuch kommt über meinen Kopf und die Inhalation des individuell für mich zusammengestellten Kräutersudes kann beginnen. Dabei komme ich so stark ins Schwitzen, dass die Schweissperlen rytmisch auf den Topfdeckel klopfen. Ich wusste gar nicht, dass ich so viel schwitzen kann. Die Inhalation habe ich in der Regel verlängert, weil Sie sehr angenehm und wohltuend war. Die Position im liegen ist viel besser als das Sitzen an einem Tisch. Und gerade die Atemwege waren ja auch der Grund dafür, dass ich mich zur Panchakarma Kur entschieden hatte. Zum Abschluss des Vormittages steht nun ein Vollbad in Kräutern und Blättern auf dem Plan. Die Porenöffnen sich und Öl und Kräuter können sich entfalten. Das man dabei den blauen Himmel sehen kann, weil die Wanne in einem halb offenen Zwischenraum steht und die warme Luft einem um die Nase weht, ist schon bemerkenswert. Durch das Fenster kann man an manchen Tagen auch die kleinen schwarzenÄffchen in den Bäumen des Hotelparks turnen und toben sehen. Nach einem kurzen Gespräch mit Frau Dr. Dinali – die die Anwendungen laufend überwacht und die Kräuterzubereitungen persönlich in der Kräuterküche herstellt, geht es zum Nachruhen und Nachschwitzen ins Zimmer. Dort wartet Gott sei Dank schon die nächste 2 Liter Kanne warmes Wasser auf einen. Schnell verschwindet der Inhalt im Magen. Geschwitzt habe ich noch nie soviel wie hier. Der Schweiss schmeckt aber schon gar nicht mehr salzig und riecht auch gar nicht. Und viel anhaben tu ich ja auch nicht. Socken hab ich nur ein Paar mitgenommen – für die Hin- und Heimreise. Auch das Essen wird von den Ayurvedaköchen Priyantha und Somasiri nach den Vorgaben von Dr. Dinali zusammengestellt und schonend gegart. Nie hatte ich Hunger oder war etwas zu scharf. Trotzdem nicht lätschert oder geschmackslos. Obwohl ich das Meiste der Gemüsegerichte noch nie gesehen oder gekostet hatte, war alles sehr lecker und bekömmlich. Gut, Arunada und Silva – die beiden Kellner, haben viel roten Reis gebracht. Aber gerade darin liegt ja der Sinn, dass mit der Ernährungsumstellung (weg vom Zucker und weg vom Gluten) die entscheidende Entlastung für meinen Darm kommt. Ich habe 2 Kilo in 11 Tagen abgenommen – völlig ohne Anstrengung und praktisch (wegen der Hitze) auch ohne Sport – wenn man vom Morgenyoga absieht. Nach dem Essen setzt sich einer der Mitglieder der Hotelgeschäftsführung zu mir an den Tisch auf der Terrasse auf Stelzen über dem Seewasser. Mr. Taraka, Ms. Shiroma und Mr. Arjuna haben immer ein offenes Ohr für die Wünsche der Gäste. Man merkt Ihnen an, daß sie ein ehrliches Interesse daran haben, den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Es ist ein junges Team, was auf den Ausbau des Betriebes hinwirkt. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Eine schöne Hotelanlage, die auch bei Einheimischen Brautpaaren als Geheimtipp für die Hochzeitsnacht und die Brautbilder gilt, ein qualifiziertes Ayurvedateam mit schönen Behandlungsräumen und eine gute Küche sind die Basis, die den Erfolg bringen können.
Niroga Madu Ganga Villa Balapitiya März 2010
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